Sonntag, 9. Juli 2017

Robin Roe: Der Koffer

Königskinder Verlag. Hamburg. 2017
Original: A List of Cages (Hyperion. New York. 2017)






Wie ich meinen Lese-Flow wiedergefunden habe

Handlung

Julian und Adam gehen zur selben Schule. Julian ist ein in sich gekehrter 14-Jähriger, der bei seinem aggressiven Onkel wohnt. Adam ist in der zwölften Klasse und bei seinen Mitschülern sehr beliebt. Doch beide haben mit ihrem Alltag zu kämpfen. Julian muss aus sich heraus kommen und sich gegen die Ungerechtigkeiten in seinem Leben durchsetzen. Adam hat mit ADHS zu kämpfen und mit seinen Gefühlen für die Klassenkameradin Emerald.

Meinung

Das Buch lässt sich in einem runterlesen. Das liegt an der angenehmen Sprache und an der spannenden Handlung. Der Plot als Gesamtes weist einen kontinuierlich steigenden Spannungsbogen auf, trotzdem hätten einige Szenen detaillierter ausgeführt werden können und es hätte gerne noch ein oder zwei Konflikte mehr geben können.

Die Handlung findet an einer amerikanischen Highschool statt. Julian und Adam treffen sich in der Schule und der Leser lernt direkt, dass die beiden sich kennen. Erst nach und nach werden alle Geschehnisse aus der Vergangenheit aufgedeckt, besonders Julians Vergangenheit bleibt in allen Einzelheiten lange unklar.
Insgesamt geht es eher um Julians Leben und die schlechten Erfahrungen, die er macht. Als Leser wollte ich wissen, was ihm widerfahren ist, was er aus den geschilderten Situationen macht und ich fieberte mit ihm mit, wollte ihm helfen und alles mit ihm durchstehen.
Wie gesagt werden die wirklich tiefgreifenden, spannenden Situationen, auf die lange hingearbeitet wird, an manchen Stellen wenig ausgearbeitet. Ich habe mir noch mehr Gedanken und Gefühle gewünscht, durch die ich tiefer in die beiden Jungen hätte blicken könnten.

Doch auch so bekommt man von den beiden einen guten Eindruck.
Die Figuren erzählen abwechselnd aus der Ich-Perspektive von ihren Erlebnissen und davon, wie sie den anderen sehen und mit ihm interagieren. Es ist interessant, wie das Verhalten aus der jeweiligen Ich-Erzählung logisch nachvollzogen werden kann, während sich die jeweils andere Figur fragt, warum der andere tut, was er eben tut.
Der Leser erlebt mit dem introvertierten Julian, wie anstrengend und beängstigend eine Party sein kann, während der ruhelose Adam keine Probleme hat, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Beiden fehlt es aber völlig an den Charakterzügen des anderen. Manchmal kam mir Julian auf seine Ängste und seine Passivität reduziert vor.

Die Freundschaft zwischen den beiden aber ist eine spannende Geschichte mit Höhe- und Tiefpunkten, die sich extrem schnell und flüssig lesen lässt. Die Sprache ist verständlich und die Spannung baut sich hoch auf. Es gibt vieles über die beiden und ihre eigenen Geschichten zu entdecken und der Plot wird rasant bis hin zu gefährlich.

Der Koffer ist ein gutes Buch für entspannte Leseabende zwischendurch über zwei Jugendliche, die ihrem eigenen Leben entfliehen.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen