Montag, 27. Februar 2017

Zitat zum Wochenstart


Jandy Nelson: Ich gebe dir die Sonne. cbt Kinder- und Jugendbuchverlag. Verlagsgruppe Random House GmbH. München. 2016. Seite 374.

Nie.
Ich wünsche euch eine schöne neue, ehrliche Woche :-*

Sonntag, 26. Februar 2017

Es waren einmal ... erste Sätze

Februar-Special

Es war einmal …
Ist das wohl der häufigste erste Satz?

Terry Pratchett: The amazing Maurice
Die ersten Worte, mit denen eine Geschichte startet, leiten die Story ein. Sie sind das erste, das jemand liest. Potentielle Leser müssen mit ihm überzeugt werden. Der erste Satz muss zum Buch passen, zum Stil. Er muss ein bisschen vom Inhalt verraten und neugierig machen. Die Stimmung sollte rüberkommen, der Leser sollte wissen, woran er ist.
So die traumhafte Vorstellung vom ersten Satz.

Es waren einmal … erste Sätze:

Es gibt kurze erste Sätze:

I run. (Slated, Teri Terry)

Es gibt lange erste Sätze:

If you really want to hear about it, the first thing you’ll probably want to know is where I was born, and what my lousy childhood was like, and how my parents were occupied and all before they had me, and all that David Copperfield kind of crap, but I don’t feel like going into it, if you want to know the truth. (The Catcher in the Rye, J.D. Sallinger)

Tatsächlich wissen wir vom kurzen ersten Satz schon mehr als vom langen zweiten. Der zweite bringt natürlich durch die vielen Wörter direkt die Stimmung der Geschichte näher.

Der erste Satz des meistverkauften Buches:

Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde.

Jetzt erst mal nicht sonderlich packend, aber man kennt ja den allgemeinen Stil. Passt also ;-)

Manche erste Sätze erklären, was den Leser erwartet:

Das Buch handelt weitgehend von Hobbits, und aus seinen Seiten kann ein Leser viel über ihren Charakter und ein wenig über ihre Geschichte erfahren. (Der Herr der Ringe, J.R.R. Tolkien)

Wie wir alle wissen, verspricht der Autor da nicht zu viel!

Man kann natürlich auch mit dem Ende anfangen:

Das letzte Kapitel
„Eines Tages“, sagte sie, „fange ich Träume ein wie Schmetterlinge.“
(Arkadien erwacht, Kai Meyer)

Dieser Anfang impliziert das Ende, verrät jedoch noch nicht genau, wie die Geschichte ausgeht. Es stehen keine Namen da und der Leser kann sich fragen: „Wie ist es dazu gekommen?“

Und hier ein Anfang von einem der bekanntesten Typen: Shakespeare

Simson: Auf mein Wort, Gregorio, wir wollen nichts in die Tasche stecken.
(William Shakespeare)

Es handelt sich hier um erste Worte im wirklichsten Sinn, denn sie sind als Theaterstück gedacht und jemand spricht sie. Der Zuschauer wird in ein Geschehen geworfen und ist direkt Teil der Situation. Ein Konflikt wird direkt impliziert. Wie wird es weiter gehen? Und wisst ihr, um welches Stück es sich handelt? ;-)

Ein wundervoller Eye-Catcher ist dieses Türschild:

Diese Inschrift stand auf der Glastür eines kleinen Ladens, aber so sah sie natürlich nur aus, wenn man vom Inneren des dämmrigen Raumes durch die Scheibe auf die Straße hinausblickte. (Die Unendliche Geschichte, Michael Ende)

Ich mag Bücher, die mit kleinen Illustrationen oder einer ungewöhnlichen Anordnung der Wörter spielen. Die Unendliche Geschichte ist da natürlich noch ganz besonders, mit unterschiedlichen Schriftfarben zum Beispiel. Die spiegelverkehrte Schrift leitet direkt ein in eine phantasievolle Welt.

Und hier noch ein paar, weil es so schön ist:

Mr. und Mrs. Dursley im Ligusterweg Nummer 4 waren stolz darauf, ganz und gar normal zu sein, sehr stolz sogar. (Harry Potter und der Stein der Weisen, J.K. Rowling)

Chapter One
In which we are introduced to Winnieh-the-Pooh and some Bees, and the stories begin
Here is Edward Bear, coming downtairs now, bump, bump, bump, on the back of his head, behind Christopher Robin.
(Winnieh the Pooh, A.A. Milne)

Die gelben Schlüsselblumen waren verblüht. (Unten am Fluss, Richard Adams)

Als ich aufwache, ist die andere Seite des Bettes kalt. (Die Tribute von Panem, Suzanne Collins)

Ich weiß, dass etwas Furchtbares passiert sein muss, als Tomma den Raum betritt. (Die Verratenen, Ursula Poznanski)

Dear Friend, I am writing to you because she said you listen and understand and didn’t try to sleep with that person at that party even though you could have. (The Perks of being a Wallflower, Steven Chbosky)

Dorothy lived in the midst oft he great Kansas prairies, with Uncle Henry, who was a farmer, and Aunt Em, who was the farmer’s wife. (The Wizard of Oz, L. Frank Baum)

Neil Gaiman: Coraline
In alten, alten Zeiten, als die Menschen noch in ganz anderen Sprachen redeten, gab es in den warmen Ländern schon große und prächtige Städte. (Momo, Michael Ende)

Der blondhaarige Junge glitt das letzte Stück Felsen hinab und begann, sich zur Lagune durchzuarbeiten. (Herr der Fliegen, William Golding)

Coraline discovered the door a little while after they moved into the house. (Coraline, Neil Gaiman)

It was a bright cold day in April, and the clocks were striking thirteen. (1984, George Orwell)

Der schönste erste Satz in einem deutschen Roman wurde 2007 von einer sechsköpfigen Jury unter mehr als 17.000 Einsendungen gewählt: „Ilsebill salzte nach.“ Aus Günter Grass‘ Der Butt. Dabei spielten die Begründungen der Einsendungen eine Rolle.*
Würdet ihr weiterlesen? Habt ihr weitergelesen?

Kommen wir zum ersten Satz einer Geschichte, die mir sehr viel bedeutet:

Alice was beginning to get very tired of sitting by her sister on the bank, and of having nothing to do
(Alice in Wonderland, Lewis Carroll)

Für eine Kindergeschichte finde ich das einen schönen Anfang. Für Alice im Wunderland ist es passend: Es wird etwas passieren, aber das Ganze ist eher unaufgeregt. Jedoch nicht ohne eine große Portion Magie und Sprachwitz ;-)

Okay, mein Lieblingsbuch:

Rats! (The amazing Maurice and his educated rodents, Terry Pratchett)

Hm.
Vielleicht geht es doch um Anfangs-Paragraphen. Ich gebe euch mehr:

Rats!
They chased the dogs and bit the cats, they–
But there was more to it than that. As the amazing Maurice said, it was just a story about people and rats. And the difficult part of it was deciding who the people were, and who were the rats.


Dieser erste Absatz beinhaltet direkt die Deutung der Geschichte, dass Menschen oft Ratten sind. (Naja, EINE Deutung der Geschichte.) Er gibt die Lesart vor und verrät, worauf man bei der Lektüre achten soll. Wir lassen uns hier auf ein Buch ein, in dem es um Ratten geht und um fiese Menschen. But there was more to it than that.

A.A. Milne: Winnie-the-Pooh
Erste Sätze sind also recht unterschiedlich. Sie erklären, worum es geht. Oder sie werfen einen ohne Einleitung in die Situation. Oder sie werfen direkt das Thema auf. Oder das Problem der Geschichte. Oder sie beschreiben erst einmal nur die Stimmung des Buches.

Der erste Satz, oder Absatz, aber MUSS den Leser so berühren, dass er weiterlesen will. Nur wenige Menschen lesen weiter, wenn der Anfang nicht fesselt, zum Beispiel wenn sie das Thema interessiert, jemand ihnen das Buch empfiehlt oder es sich um einen Klassiker handelt. Ich persönlich habe keine Vorlieben. Von Geschichte zu Geschichte passt ein anderer Anfang besser. Und am Ende des Buches muss man nach vorne blättern, um sich überhaupt an sie erinnern, obwohl sie so entscheidend sein können.

Hier gibt es eine coole Infografik mit vielen ersten Sätzen

* Links zur Wahl des schönsten Satzes
Spiegel
Süddeutsche
Tagesspiegel
Welt

Was denkt ihr über erste Sätze? Welchen habt ihr am liebsten? 

Donnerstag, 23. Februar 2017

Jandy Nelson: Ich gebe dir die Sonne

Wie mich diese Achterbahnfahrt der Emotionen gepackt hat






Der cbt Verlag hat mir das Buch freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Und darüber bin ich sehr froh, denn diese Geschichte hat mich sehr berührt und ich habe sie so runter gelesen.

Handlung

Noah und Jude sind Zwillinge und gleichzeitig sehr verschieden. Noah ist künstlerisch extrem begabt, sehr emotional und homosexuell. Jude ist die sexy Surferin, mit vielen Freundinnen und auch einer guten Portion Kreativität. Die beiden führen eine gute Geschwister-Beziehung, doch sie müssen sich beide vor ihrer künstlerischen Mutter und dem anspruchsvollen Vater beweisen. Das Schicksal schlägt bei beiden hart zu und die Geschwister verändern sich. Allein kämpfen sie jeder um den Weg zu ihrem früheren Selbst zurück.

Meinung

Ich gebe dir die Sonne ist ein sehr emotionales und ein sehr ehrliches Buch. Der Leser taucht auf den tiefsten Grund der Gedanken und Gefühle von den beiden Hauptfiguren, wo nicht alles Licht ist und die Dunkelheit gelegentlich die Oberhand hat. Die metaphorische Sprache der Autorin unterstreicht diese Beschreibungen und Aussagen auf eine blumige, aber passende Weise.

Die Handlung springt zwischen Noah, als er 13 ist, und Jude mit 16 Jahren. Der Fokus liegt auf den Beziehungen zwischen den Figuren, besonders zwischen den Zwillingen und auch zu jungen Männern, denen sie neue Gefühle entgegenbringen. Die zwischenmenschlichen Beziehungen verändern sich stetig und die beiden versuchen, sich durch das Leben zu schlagen. Weil wir so tief in die beiden Jugendlichen hineinschauen können, können wir ihre Handlungen und Motive verstehen. Man kann nachvollziehen, wie sich Noah in Brians Nähe fühlt, man versteht, warum Jude ihrem Bruder schlimme Dinge antut, und man fiebert sehr mit ihnen mit, ob sie den künstlerischen Durchbruch schaffen.

Es wird nicht langweilig, denn durch die Sprünge deutet Jude viele Geheimnisse an, die im Vorfeld geschehen sind, die der Leser in Noahs Geschichte entdecken darf. Worauf ihre Handlungen und Bemühungen hinauslaufen, ist zwischendurch undurchschaubar. Sie leben ein Teenager-Leben, von außen wie das aller anderen: sie besuchen Partys, treffen Freunde und streiten sich. Im Inneren sind sie besonders.

Die beiden Hauptfiguren stehen sich in ihren innersten Gefühlen in nichts nach. Noah malt in seinem Kopf ständig Bilder seiner Emotionen, seiner Familie und Freunde, seiner Gedanken. Vor allem Brian kommt darin vor, ein Nachbarsjunge. Sein größtes Ziel ist die Aufnahme an einer Kunst-High-School. Er will gar nicht „normal“ sein. Jude dagegen will die Anerkennung ihrer Altersgenossen. Sie flirtet mit älteren Jungs und die Kunst spielt nur eine kleine Rolle in ihrem Leben.

Dann geschieht eine Katastrophe und die beiden ändern sich. Es ist, als hätten sie ihre Rollen getauscht, Jude zieht sich in sich zurück, zwingt sich zur Arbeit mit Ton und zelebriert einen Jungs-Boykott während Noah neue Freunde findet und sie mit halsbrecherischen Sprüngen von der Klippe beeindruckt. Aber das sind nicht sie selbst.

Der Stil ist wie bereits geschrieben sehr metaphorisch und blumig. Die ersten paar Seiten musste ich mich daran gewöhnen. Die so verpönten Adjektive häufen sich hier und feiern ein buntes Fest der Emotionen. Und das passt zur Geschichte wie die Faust aufs Auge. Die tiefen Emotionen von Noah und Jude werden durch die Metaphern und Vergleiche veranschaulicht und ich dachte oft: Ja, genau so fühlt sich das an!

Auch dass Geister von verstorbenen Familienmitgliedern sich in die Handlung einmischen, muss man so akzeptieren. Die Autorin lässt offen, ob die Geister in dieser Geschichte tatsächlich existieren oder ob sie nur in den Köpfen der Hauptfiguren sind.

Insgesamt kann ich dieses Buch nur empfehlen. Eine Seifenblase Abzug gibt es für den Kitsch, der sich durch das Buch zieht und gegen Ende noch zunimmt. Wer damit leben kann hat mit Ich gebe dir die Sonne ein wundervolles Exemplar vor sich, mit dem er in ehrliche Emotionen und nachvollziehbare Beziehungen eintauchen kann.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!

Montag, 20. Februar 2017

Spoiler: Jandy Nelson: Ich gebe dir die Sonne

zum Haupt-Post ohne Spoiler

Am Ende waren die Gefühle der Figuren schon extrem kitschig. Die Auflösungen waren kurz und schnulzig. Erst kommt Oscar vorbei, um Jude zu sagen, dass sie zu jung ist für ihn. Ein kurzer, endlos emotionaler Monolog von ihr überzeugt ihn und damit ist die Sache beschlossen. Ist das eine Art Jugendschutz im Buch? Sollen die Jugendlichen nicht denken, ein dreijähriger Freund sei im Teenager-Alter okay?

Dann hätte ich wirklich gerne Mäuschen gespielt bei dem Gespräch zwischen Noah und Brian, als sie sich schlussendlich doch wiedersehen. Aber alles, was wir erfahren, ist, dass sie händchenhaltend zurückkommen.

Dass der Vater es so gut aufnimmt, dass seine Frau doch nicht zu ihm zurück wollte, finde ich auch unglaubwürdig. Es scheint ihn gar nicht zu berühren.

Dass Guillermo eine Beziehung zu der Mutter hatte, damit habe ich nicht gerechnet. Aber das gehört wahrscheinlich zu den Dingen, die meine eigene Mutter sofort gerochen hätte.

Die künstlerischen Aspekte in der Geschichte haben mir gut gefallen. Ich habe mich wohl gefühlt mit den vielen unsichtbaren Bildern in Noahs Kopf, mit der Skulptur von Jude und den Bemühungen der beiden, damit sowohl ihrer Mutter als auch der Kunst-High-School zu gefallen.

Die Beziehung der Zwillinge ist eine sehr besondere. Die beiden sind miteinander verbunden und bringen sich gegenseitig sowohl Liebe als auch Hass zu. Ich konnte mich an manchen Stellen wiederentdecken, mich und meinen jüngeren Bruder. Das Buhlen um die Aufmerksamkeit der Eltern, den Beschützerinstinkt, eine Verbundenheit durch jedes negative Gefühl hindurch.

Was hat euch besonders gefallen? Was gar nicht?

Mittwoch, 8. Februar 2017

Samantha Shannon: The Bone Season

Wie ich schlecht rein- und schlecht rauskam. Die Mitte war gut.






Ich bin die Woche ziemlich schlimm erkältet. Was leider nicht bedeutet, dass ich viel zum Lesen komme, denn heute ist der erste Tag, an dem ich überhaupt meine Augen aufhalten kann. Aber weil das weniger anstrengend ist, habe ich statt zu lesen einen Serien-Marathon gestartet. Um genau zu sein, Dr. Who und Black Mirror. Und dann habe ich Pretty Little Liars angefangen. Und da komme ich jetzt leider nicht mehr von weg :-D Ich unterbreche nur für euch und diese Rezension hier ;-)

Handlung

In einem zukünftigen London leben Menschen mit besonderen Fähigkeiten: Sie können mit dem Äther, der Geisterwelt kommunizieren. Ihre Fähigkeiten sind unterschiedlich, doch sie alle müssen sich vor der Regierung und der Polizei verstecken. Paige gehört zu ihnen. Sie schlägt sich durch, aber dann wird sie gekidnappt und wacht an einem Ort auf, der viel schlimmer ist als ihr London. Gemeinsam mit anderen voyants wird sie von den Rephaim im Kampf ausgebildet. Diese sehen zwar aus wie Menschen, weiter reichen die Ähnlichkeiten allerdings kaum. Paige muss sich im Training behaupten und gleichzeitig herausfinden, wie sie diesen Ort wieder verlassen kann.

Meinung

Es geschieht öfter, dass Geschichten in einer bestimmten Welt beginnen, diese erklären und man versteht langsam, was es mit den Dingen auf sich hat. Und dann wird man mit der Figur aus dieser Welt gerissen und in eine neue versetzt, die man neu verstehen muss. Das ist ein sehr mühsamer Prozess, der mir den Anfang extrem schwer gemacht hat. Zumal in diesem Fall die Erklärungen der Welt etwas rar ausfielen und man sich viel zusammenreimen muss.

Die Handlung konnte mich trotzdem nach den anfänglichen Schwierigkeiten sehr fesseln. Paiges Training und die Beziehungen, die sie aufbaut, bieten viel Zündstoff, die Figuren um sie herum müssen erst von ihr angeordnet werden. Veränderungen stehen an und Entscheidungen müssen getroffen werden. Paige erkennt ihre Feinde und geht einen gnadenlosen Kampf gegen diese ein.

Die Atmosphäre ist düster, nicht nur, weil die Menschen an dem neuen Ort tagsüber schlafen und nachts wachen. Die Stimmung ist dunkel, Gefahr lauert an jeder Ecke und Ablenkungen gibt es nicht. Die Stadt ist dreckig, das Essen zu wenig und das Training ist hart. In der neuen Welt gibt es keinen Trost und die Hoffnung ist schwer erkämpft. Das ist eine angenehme Abwechslung zu klischeehaft verteilten Lichtblicken, um Leser und Figuren bei Laune zu halten.

Was mir gut gefallen hat, sind die vielen Kleinigkeiten, die erst nach und nach ans Licht kommen. Sowohl die Zusammenhänge der Geschehnisse als auch neue Erkenntnisse für Paige werden Häppchenweise serviert. Die Motive der Figuren müssen mühsam herausgefiltert werden. Pagies Herkunft und ihre Träume und Ängste bleiben nicht nur neuen Freunden sondern auch dem Leser zunächst verborgen.

Paige als Hauptfigur ist aus diesem Grund vielleicht etwas schwer zu greifen. Der Leser kennt ihre Gegenwart sehr genau und glaubt sie zu Anfang eher flach. Nach und nach erst habe ich erkannt, was für eine Person sie tatsächlich ist. Wenn es eine andere Hauptfigur gibt, ist es der Rephaim Warden, mit richtigem Namen Arcturus. Er ist gleichzeitig Paiges Gegenspieler und der einzige, der ihr helfen kann. Auch über ihn erfährt der Leser lange nichts Hilfreiches.

Insgesamt muss ich sagen, dass ich keinen der Charaktere besonders lieb gewonnen habe. Sie sind nicht auf Anhieb sympathisch und entwickeln sich auch nicht unebdingt dahin, sind jedoch genauso wenig unsympathisch. Das macht sie aber echt, denn sie handeln aus Motiven und Überzeugungen und nicht, um dem Leser zu gefallen.

Das Thema ist mir noch schwammig. Hier werden Menschen ausgegrenzt und verfolgt, die anders sind und nichts dafür können. Sie werden an einen Ort gebracht und dort wird ihre Kraft ausgenutzt. Gleichzeitig ist ihre Kraft die stärkste Waffe gegen ihre Unterdrücker. Das Ganze ist ein spannendes Abenteuer, mehr kann ich (noch) nicht fassen. Das Bild lässt sich auf alles und nichts übertragen. Aber vielleicht bin ich da zu kritisch.

Zusammengefasst hat mir das Buch also gut gefallen, es liest sich schnell und sehr spannend. Die Hintergründe der Figuren und des Settings fließen passend zusammen. Mir gefallen die Figuren, weil sie nicht auf Anhieb gefallen, sie wirken weniger durchkonstruiert und doch ganzheitlich. Eineinhalb Seifenblasen Abzug gibt es für einen schwierigen Start und ein schwieriges Ende (es gibt allerdings noch weitere Teile) und das schwierig erfassbare Thema.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!

Spoiler: Samantha Shannon: The Bone Season

zum Hauptpost: Rezension ohne Spoiler

Das Buch war ein Weihnachtsgeschenk :-)
Zu Anfang ist Paiges Figur eher flach, beziehungsweise erfährt der Leser wenig von ihr. Doch durch die Geschichte hindurch bekommt sie immer mehr Facetten. Richtig sympathisch wurde sie mir nicht, obwohl sie für mich eine viel stärkere Persönlichkeit bekam. Ihre Erlebnisse als Kind in Irland und die Verluste, die sie hinnehmen musste, haben sie hart und kämpferisch gemacht. Ein wenig fehlt mir in ihr das Weiche. Auch ihre Art Warden gegenüber ist sehr distanziert, die ganze Zeit über. Ich hoffe, in den weiteren Bänden bekommt der Leser noch andere Seiten in ihr zu sehen.

Zwar kümmert sie sich um Liss und das zeigt auch liebevolle Züge an ihr, doch zwischendurch schien sie mir Liss zu vergessen, oder die Autorin hat das Mädchen aus den Augen verloren. Zwischendurch fällt Paige plötzlich ein, dass es ihre Freundin noch gibt und sie ihr ja mal helfen könnte. Vielleicht liegt das auch an den wenigen Gedanken, an denen wir bei der Hauptfigur teilhaben dürfen, obwohl das Buch aus der Ich-Perspektive geschrieben ist.

Ich hatte das Gefühl, Warden besser zu verstehen als Paige. Durch seine Aussagen und sein Verhalten ist von Anfang an klar, was für Motive er hegt. Paige bemerkt das rein gar nicht und ihr Hass gegen ihn ist völlig unangebracht. Er wirkt wie ein dramaturgischer Effekt. Es war schon anstrengend dabei zuzuschauen und sich zu fragen, wann die beiden endlich zueinander finden, das war schon fast nicht mehr schön.

Was mir richtig gut gefällt ist die Grundidee des Ganzen, die Geisterwelt beziehungsweise der Äther und die verschiedenen Möglichkeiten, sich mit ihm zu verbinden. Es ist eine übernatürliche Welt, die jedoch nicht überladen ist von verschiedensten Kreaturen, sondern sich auf das Wesentliche konzentriert. Wobei ich immer noch durcheinander komme bei den ganzen Arten, sich mit dieser Welt zu verbinden. Nichts an dieser Welt ist schön und das gefällt mir. Die Kommunikation mit der Geisterwelt ist nichts, was ich mir auch wünschen würde, und dadurch wird deutlich, wie sehr die Gabe für Paige und die anderen mehr ein Fluch als Segen ist.

Ich freue mich aber schon auf das nächste!

Was sind eure Gedanken zum Buch?