Dienstag, 19. September 2017

Amy Ewing: Das Juwel – Der schwarze Schlüssel

Dritter Teil der Juwel-Reihe – enthält Spoiler zu den ersten beiden Bänden
Zum ersten Teil: Das Juwel – Die Gabe
Zum zweiten Teil: Das Juwel – Die Weiße Rose






Wie ich nicht überrascht war

Handlung

In den Anstalten werden die letzten Mädchen als Paladininnen rekrutiert. Violet und ihre Verbündeten bereiten einen Angriff auf das Juwel und den Adel vor. Doch dass Hazel von der Herzogin gefangen gehalten wird, lässt Violet nicht schlafen, und so macht sie sich auf den Weg zurück in die Stadt. Dort erwartet sie das luxuriöse Adelsleben, während immer neue Nachrichten von Anschlägen zu ihr dringen. Sie plant, Hazel zu befreien und dann mit ihren Verbündeten die Stadtmitte am Auktionstag anzugreifen.

Meinung

Das fulminante Finale der Juwel-Trilogie schließt die Geschichte um Violet und Paladininnen actionreich ab. Fast direkt zu Anfang kehrt Violet zurück ins Juwel – was mir sehr gut gefallen hat. Ansonsten endet dieser dritte Band ganz typisch für eine Dystopie: Mit dem aufregenden Angriff der Rebellen.

Die Handlung nimmt im Gegensatz zum zweiten Teil wieder an Fahrt auf. So schön es draußen in der Weißen Rose umgeben von Natur auch ist, so wenig spannende Handlung gab es dort. Deswegen bringt Violets Aufbruch zurück ins Juwel wieder Fahrt in die Story. Der Leser begleitet sie bei gefährlichen Aktionen auf der Suche nach ihrer Schwester, Geheimtreffen mit Lucien und Kontaktaufnahme mit ihren Verbündeten. Der Kampf gegen den Adel spitzt sich zu und alles läuft auf ein spektakuläres Ende hinaus. Am Spannungsbogen habe ich nichts auszusetzen.

Die Figuren sind die altbekannten. Keiner von ihnen zeigt sich überraschend vielseitig, allerdings ist es der Story und dem Genre geschuldet, dass die Geschichte eher actiondriven und handlungsbetont ist.

Die Wendung um die Paladininnen im zweiten Teil hat mich überrascht und irritiert. Im dritten Teil gewöhnt man sich an die plötzliche Hinwendung zur Natur und die magischen Kräfte der Mädchen. Auch wenn sie mir immer noch irgendwie fehl am Platze vorkommen.

Der dritte Teil ist also wieder spannend und spielt im Juwel. Ansonsten habe ich ein paar Wow-Effekte vermisst oder total überraschende, weltverändernde (zumindest die Welt im Buch) Entdeckungen.

Das Juwel – Der schwarze Schlüssel ist ein angemessenes Finale. Wer die zwei vorigen Bände mochte, kann sich den dritten nicht entgehen lassen. Und auch wer, wie ich, vom zweiten Teil nicht ganz überzeugt war, kann sich auf einen dritten freuen, der dem ersten in Spannung und Handlung wieder gleichkommt.
 

Freitag, 1. September 2017

Zurück nach Hogwarts

1. September 2017
Zum Abreisetag ein paar zusammengestümperte Zeilen, eine Hymne auf die Schule für Hexerei und Zauberei! Das Reimschema ist etwas inkonsequent und Duktus sowie Metrik sind an manchen Stellen etwas holprig, ich weiß. Dafür steckt viel Liebe drin ;-)

Im September geht es los,
die Freude, die ist Grawpy-groß!
Der Hogwarts Express wartet schon
auf ein jedes Zaub’rers Sohn.

Und auf begabte Muggeltöchter.
Hexen, Zauberer jeder Art,
kommt ihr heute nach King’s Cross –
von 9 ¾ geht die Fahrt.

Habt ihr eure Bücher alle,
Kessel, Besen, Drachengalle,
paar Nickel für den Honigtopf?
Keine Angst vor Nicholas Kopf?

Mit Wutschen und Wedeln
wird es gemacht!
Lernen kann Spaß machen,
wer hätt’s gedacht?

Seid ihr gut in Kräuterkunde,
ist der Zaubertrank euch wichtig?
Pflegt ihr gern dreiköpf’ge Hunde,
verteidigt ihr euch auch schon richtig?

Beim Quidditch zeigen alle Spieler,
wie sie auf dem Besen fliegen.
Klatscher, Quaffel, Sportart vieler.
Mit dem Schnatz kann man leicht siegen.

Der dunkle Wald ist euch verboten:
Zentauren, Spinnen, Kriechgetier.
Mit Sauhund Fang auf leisen Pfoten
schaut Hagrid nach dem Rechten hier.

Geheimnisse an jeder Ecke:
Raum der Wünsche, tiefer See,
peitschende Bäume, hoher Turm,
Prophezeiungen im Tee.

Hast du etwas auf dem Herzen,
kommt jede Hilfe fast zu spät,
bereitet etwas dir gar Schmerzen?
Frage Dumbledores Porträt!

Aus der Asche steigt der Phönix.
Wer das Blut des Einhorns trinkt,
den jagt er gnadenlos hinfort,
bis das dunkle Mal versinkt.

Am Ende eines jeden Jahres
tagt der Kampf gegen das Böse.
Mutig zieh’n wir in die Schlacht,
dass der Zauber sich dann löse.

Freunde, Liebe, das vereint.
Gemeinsam haben wir die Macht.
Auch wenn zu das Dunkle zu groß scheint,
kommt das Licht nach jeder Nacht.

Du lehrst uns alles, was wir brauchen,
in magische Welten abzutauchen.
Oh, geflügeltes Warzenschwein!
Bei dir könn‘ wir zuhause sein.

Heute, genau dieses Jahr, ist übrigens Albus Severus Potters erster Schultag :-)



Dienstag, 29. August 2017

Drei Lesetipps im August

Im August geht es um drei Kinderbücher, die sich genauso für Erwachsene eignen und die Phantasie anregen. Vielleicht ist ja was für euch dabei :-)

Michael Ende: Momo

Ich habe Momo erst letztes Jahr gelesen und ich bin begeistert! 
In einer Stadt erscheint die kleine Momo. Sie wohnt friedlich am Stadtrand und spielt mit den Kindern, die Erwachsenen fragen sie um Rat und alle leben fröhlich miteinander. Bis die Grauen Herren kommen, die die Stadtbewohner überreden, Zeit zu sparen. Immer mehr Zeit wird gespart und niemand hat mehr welche. Kann Momo den Bewohnern helfen und ihnen wieder zeigen, wie wertvoll gemeinsam verbrachte Zeit ist?
Das Buch ist sehr liebevoll geschrieben und stimmt junge und besonders alte Leser nachdenklich. Jeder sollte einmal überdenken, ob er nicht manchmal zuviel Zeit spart ;-)

Tahereh Mafi: Furthermore

Dieses Buch ist eine wundervolle Geschichte über ein Mädchen, das ihre eigenen Stärken verleugnet und nichts lieber will, als wie alle anderen zu sein.
In einer kunterbunten Welt ist Alice die einzige, die vollkommen weiß ist. Sie fühlt sich als Außenseiter und das wird nicht besser, als sie ihre Aufnahmeprüfung in die Gesellschaft verpatzt. Traurig und allein willigt sie ein, Oliver bei seiner Prüfung zu helfen. Das führt die beiden ins sagenhafte Land Furthermore, in dem sie nicht wissen, wem sie trauen können.
Nach und nach lernt Alice, dass sie anders und trotzdem anerkannt sein kann, eben besonders.

Neil Gaiman: Coraline

Ein durchdachtes Kinderbuch mit kleinem Gruselfaktor. Coraline zieht mit ihren Eltern in ein neues Haus. Schon bald entdeckt sie einen Geheimgang, der zu einer anderen Mutter und einem anderen Vater führt. Die beiden sind viel lieber als die anderen, verbieten nichts und sind immer fröhlich. Coraline könnte bei ihnen bleiben. Wenn sie wie die beiden in Zukunft mit Knöpfen anstelle der Augen leben würde.
Eine Geschichte über Familie und die Sorgen und Ängste von Kindern und Eltern. 


Sonntag, 27. August 2017

Spoiler: Ursula Poznanski: Aquila

Loewe Verlag 2017

zum Haupt-Post ohne Spoiler

Worüber ich ja nicht hinwegkomme: Wer – zwischen 19 und 35 – weiß denn nicht, woher „With the lights out it’s less dangerous“ herkommt? Gut, vielleicht bin ich nicht der richtige Maßstab. Aber das weiß man doch?

Here we are now, entertain us! Entertained wurde ich wirklich gut. Es war mal wieder dieser Effekt, bei dem man nach der Hälfte des Buches nicht genau weiß, was eigentlich bisher nochmal genau passiert ist, das all die Seiten gefüllt hat. Aber man hat sie trotzdem durchgelesen wie nichts.

It’s fun to lose and to pretend. Ich habe Lennard ja noch einiges mehr Dreckiges zugetraut und war gegen Ende auch überzeugt davon. Als Nika meinte, sie habe ZWEI Namen in ihrer Liste notiert, Gloria und noch einen, dachte ich, beim Spiegel des Löwen handele es sich um den Spiegel von Lennard, abgeleitet von Leonard, Leo, Löwe. Witzigerweise habe ich, als Stefano von seinen Geschwistern sprach, noch gedacht, dass Natale ein merkwürdiger Name sei und doch Geburt heiße. Auf Weihnachten ist mein Gehirn aber nicht gekommen. Nun ja.

A mulatto, an Albino, a mosquito, my libido. Alles wurde hervorgerufen von einer – ja – verrückten jungen Frau. Einer eifersüchtigen, skrupellosen Jenny. Ich weiß nicht, ob mich das zufrieden stellt. Vielleicht würde ich mich leichter damit tun, wenn noch herausgekommen wäre, dass sie irgendeine psychische Störung hat. Sie war ja nicht so lange mit Lennard zusammen und kannte die Frau auch gar nicht, mit der Lennard vermeintlich unterwegs gewesen war.

Wie hat euch das Buch gefallen?

Ursula Poznanski: Aquila

Loewe Verlag 2017

Wie ich mal wieder ein Buch in zwei Tagen durchgelesen habe
Zugegeben, ich hatte Urlaub.





Handlung

Nika wacht in ihrem Bett auf, in dreckigen Klamotten, mit Kopfwunde und ohne Erinnerung an die letzten zweieinhalb Tage. Was ist passiert? Wo ist ihr Handy? Und was bedeuten diese kryptischen Sätze auf dem Pizza-Flyer in ihrer Hosentasche? Auf der Jagd nach ihren Erinnerungen wird Nika selbst zur Gejagten. Kann sie sich selbst noch trauen, wenn sie nicht weiß, was sie tatsächlich getan hat?

Meinung

Ursula Poznanski hat mich mal wieder ans Buch gefesselt. Die spannende Geschichte, der rasante und flüssige Schreibstil und vielen Andeutungen und Rätsel im Buch ließen mich Seite um Seite umblättern. Ich habe aber von der Autorin auch nichts anderes erwartet ;-)

Die Handlung ist rasant, aufregend und spannend. Der Gedächtnisverlust und die Suche nach den Geschehnissen der letzten Tage bringen von vorn herein einen Spannungsbogen in die Geschichte, der von Kapitel zu Kapitel steigt. Neue Erkenntnisse und Wendungen bringen die Hauptfigur und den Leser auf immer neue Gedanken und die Spekulationen in immer neue Richtungen. Die Kulisse der italienischen Stadt Siena, in der Nika ein Semester verbringt, gibt zusätzlichen Pepp und erinnert vage an andere Jagden nach dunklen Geheimnissen quer durch Italien. Dadurch wird eine mystische Stimmung erzeugt. Der Plot ist getrieben von der Suche nach der Erinnerung und den Merkwürdigkeiten, die Nika unterwegs begegnen, wie gruselige Verfolger, Fremde, die mehr wissen als sie selbst, und schockierende Fotos von Nika selbst.

Nika selbst lernt der Leser durch ihre Taten kennen. Zwar gibt die Autorin Informationen zu deren liebevollen Mutter, dem anstrengenden Stiefvater und dem wenig enthusiastischen Studium der Kunstgeschichte. Doch davon abgesehen begleitet der Leser die 19-Jährige auf ihrer Suche. Nika ist verwirrt und ein wenig verloren in der fremden Stadt. Davon lässt sie sich aber nicht aufhalten und geht auf eigene Faust ihren Eingebungen nach. Sie ist mutig und etwas unüberlegt.

Die anderen Figuren helfen ihr oder stellen sich ihr in den Weg. Aber wem Nika wirklich trauen kann, muss sich noch zeigen. Die Figuren erfüllen ihre Funktionen als Freunde und Feinde und als potentielle Gefahren, die wissen, was in den letzten Tagen tatsächlich passiert ist. Ein wenig mehr Tiefe in den Charakteren wäre okay gewesen, aber notwendig ist sie auch nicht.

Nachdem Erebos, Layers und Elanus sich mit aktuellen technischen Entwicklungen beschäftigt haben, ist das Thema in Aquila schwieriger zu fassen. Vor allem, ohne etwas vorwegzunehmen. Die aufgebaute Spannung aber und die gruselig-mystische Jagd quer durch Siena reichen völlig aus, diesem Buch 4,5 von 5 Seifenblasen zu geben! Aquila ist ein rasanter Page-Turner wie Poznanski sie von jeher schreibt.

Insgesamt liegt die Stärke dieses Buches also im schnell steigenden Spannungsbogen. Ich konnte es nicht weglegen, ich musste wissen, wie es weiter geht! Wer einen actionreichen Plot mag, ist hier genau richtig.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!

Freitag, 25. August 2017

Dystopie – der schreckliche Nicht-Ort

August-Special

Das Ganze ist etwas theoretisch geworden, sorry … :-D

Ich liebe Dystopien. Was das über mich aussagt, weiß ich nicht, aber ich kann nicht die einzige sein bei den vielen Anti-Utopien in den Buchhandlungen. Besonders im Young-Adult-Bereich schlugen sie in den letzten Jahren ein (Panem, Maze Runner, Die Verratenen, Divergent) und es werden auch weiterhin einige veröffentlicht (Das Juwel, Mind Games, Red Queen). Die Erwachsenen-Dystopien reihen sich viel bei den Klassikern ein, 1984, Fahrenheit 451, Make Room! Make Room!. Wenn mir jemand neue empfehlen kann, freue ich mich sehr :-) (The Circle mochte ich übrigens nicht :-D)

Was ist eine Dystopie? In der Uni habe ich mich damit beschäftigt und gebe euch hier kleine Auszüge aus einer Arbeit von mir:

Die Dystopie als literarische Gattung bezeichnet im Allgemeinen eine im Vergleich zur realen Wirklichkeit des Autors negative Zukunftsvorstellung, die in Form eines literarischen Textes ausgestaltet wird. Seinen Ursprung hat diese Art Literatur schon sehr früh in der Utopie, welche einen positiveren Weltentwurf im Vergleich zur Gegenwart der Entstehungszeit aufzeigt. (Morus' Utopia habe ich auch gelesen, interessant aber ohne Spannungsbogen :-P) Sie sind „Idealbilder der Zukunft“ (Meyer 2001: 18), entworfen zum Beispiel von den „alten Utopisten bis Karl Marx“ (Meyer 2001: 18) und sogar Platon (vgl. Zeißler 2008: 15) in seiner Politeia. In ihnen wird dargelegt, „wie schön es sein könnte, wenn alle Menschen den trefflichen Vorschlägen folgten“ (Meyer 2001: 18).

Der positiven Utopie wird die negative Dystopie entgegengesetzt. Stephan Meyer bezeichnet sie als Anti-Utopie, die „zunächst als literarische Utopie-Kritik definiert“ (Meyer 2001: 12) wurde und somit aus den Utopien heraus entstand. Als selbstständiger Genrezweig setzte die Dystopie sich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch (vgl. Meyer 2001: 12; Claeys 2011: 175).

Das Wort Dystopie ist abgeleitet von der Utopie (griechisch), was in etwa Nicht-Ort bedeutet.  Die Vorsilbe dys drückt das Gegenteil aus. Eine Dystopie ist also das Gegenteil von einem positiven, nicht zu verwirklichenden Ort: Ein negativer Ort, der nicht existiert.

Was mag ich daran? Es sind die Themen, die mich faszinieren. Die Gesellschaftskritik, den Kampf um Freiheit und Individualität, den Einsatz des eigenen Lebens für eine bessere Welt. Das übergeordnete Ziel, das der Leser mit den Figuren versucht zu erreichen, entgegen den allumfassenden Ungerechtigkeiten. Die Figuren, die für Menschlichkeit kämpfen und gegen gesellschaftliche und regimebedingte Regelungen und Systeme.
Dabei gibt es einige Dinge, die sich in allen Dystopien ähneln.

Literarisch gesehen zeigen sie die negativen Tendenzen der Realität auf, in der sie entstehen, und rufen durch die Narration „die Illusion des Wirklichen und ‚Wahrscheinlichen‘“ (Seeber 2003: 70) hervor. Aufgrund des Vorschlags für eine Verbesserung der realen Gegebenheiten situieren die Autoren ihren Inhalt häufig in der Zukunft: „Die Utopie entwirft ein Gesellschaftsmodell, welches […] die negativen Merkmale in grotesker Weise in die Zukunft verlängert, um so vor gegenwärtigen Tendenzen zu warnen (Anti-Utopie)“ (Meyer 2001: 40). (Mir fällt gerade auch gar keine ein, die nicht wenigstens ein bisschen in der Zukunft spielt. Außer vielleicht The Circle. Aber das mochte ich ja nicht :-D)


Es werden bestimmte Gesellschaftszustände beschrieben, um den dystopischen, den  negativen Charakter der Texte zu verdeutlichen. „Dafür eignen sich Endzustände politisch-sozialer Art, wie sie auf einer hoffnungslos übervölkerten, ausgebeuteten und verwüsteten Erde herrschen mögen: der perfekt gewordene Polizeistaat“ (Lübbe 1987: 88). (Man denke nur an den „Klassiker“ Panem und die Friedenswächter, an die Salvatoren an den Handgelenken der Studenten in der Eleria-Trilogie und die vermeintlichen Spiegel in jeder Wohnung in 1984.) Es scheint um eine Umgebung und Lebenssituation zu gehen, die das alltägliche Leben mindestens unangenehm, wenn nicht fast unmöglich gestaltet. Gleichzeitig werden die Menschen von einer wie auch immer gearteten Polizei überwacht. Dies ist ein „Dauerzustand“ (ebd.), also zumindest zu Anfang der Erzählung nicht als veränderbar dargestellt. Neben den Grausamkeiten, die Menschen sich gegenseitig beibringen können, spricht Meyer auch „von der Bedrohung der gesamten Menschheit durch die Objekte, die der Mensch selbst schafft […] den Roboter und die Atombombe“ (Meyer 2001: 14). (Wie in Asimovs Roboter-Geschichten, teilweise aufgegriffen und verfilmt in I, Robot).

Kontrolle, sowohl der Natur als auch durch eine Polizei, spielt also eine wichtige Rolle. Um diese zu behalten, arbeitet die utopische beziehungsweise dystopische Literatur mit begrenzten Räumen, zum Beispiel einer Insel, die von Einflüssen abgeschirmt ist (vgl. Meyer 2001: 34). (Die Einteilung in Distrikte in Panem oder in Fraktionen bei Die Bestimmung.) Die Science Fiction bietet weitere Möglichkeiten wie neu erkundete Teile des Weltraums (vgl. Claeys 2011: 187). (Wie in der typischen Science Fiction á la Star Trek oder auch in Godspeed von Beth Ravis, in dem die Hauptfigur sich in einer komplett neugestalteten Gesellschaft auf einem Raumschiff wiederfindet.)


Die Menschen selbst sind eingeteilt in Klassen oder Stände. „Die jeweilige Gesellschaftsstruktur ist also bestimmt durch eine starre Gliederung in gesellschaftliche Gruppen mit einer jeweils genau definierten sozialen Funktion“ (Meyer 2001: 61). Individualität und ein freier Wille sind in dystopischen Texten unterdrückt (vgl. Chilese, Preusser 2013: 12). „Der Staat handelt und das Individuum bleibt mit seinen Möglichkeiten hinter dem Anspruch der Theorie zurück“ (Greschonig 2005: 193).
(Zum Beispiel die Regulierung der Emotionen in Teri Terrys Gelöscht oder auch in der Unterdrückung romantischer Gefühle in Delirium von Lauren Oliver. Natürlich auch automatisch in der Begrenzung der Lebensräume wie in The Maze Runner von James Dashner, einer fehlenden Ausbildung und Ausmerzung selbstständigen Denkens wie in George Orwells 1984.)

Innerhalb der Handlung der literarischen Dystopien stellen die Autoren dem totalitären System häufig Charaktere entgegen, die sich im Laufe der Erzählung gegen dieses auflehnen. „Die Autoren des anti-utopischen Romans brauchen also die Figur des Außenseiters, um ihre Kritik an der von ihnen selbst entworfenen Gesellschaft sichtbar zu machen“ (Meyer 2001: 125). Der Außenseiter sieht sich dem Staat gegenüber gestellt, ist als Individuum ein Gegner dessen und ist sich darüber im Klaren (vgl. Meyer 2001: 125f). Es ginge um eine Erzählfigur, „die allmählich ihre Individualität, Phantasie und Persönlichkeit gewinnt, um damit in offenen Gegensatz zum herrschenden System zu geraten“ (Meyer 2001: 15). (Meine All-Time-Favorite Katniss Everdeen, die allerdings erst überzeugt werden muss, neben Guy Montag aus Fahrenheit 451 von Ray Bradbury und Eleria aus der gleichnamigen Trilogie.)


Wahrscheinlich lassen sich solch pauschale Aussagen nicht auf jede Dystopie zu einhundert Prozent anwenden. Aber ich erkenne auf jeden Fall die Gemeinsamkeiten der Bücher, die ich so gerne lese. Welches ist meine Lieblingsdystopie? Puh, sehr schwierig zu sagen. Ich finde, die klassischen und die modernen YA-Anti-Utopien unterscheiden sich schon sehr in ihrer Sprache, ihrer Erzählweise, den Figuren, dem Ausgang und natürlich auch der technischen Entwicklungen in der Geschichte. Die etwas älteren Geschichten sind faszinierend, weil man feststellt (wie überall in der Kunst), dass die Menschen sich „damals“ schon dieselben Gedanken gemacht haben. Und dass die negativen Zukunftsvorstellungen tatsächlich immer weiter in den Bereich des Möglichen rutschen. Man schaue sich Systeme und Länder an, die sich auf gutem Weg in den Totalitarismus befinden, die zensieren und totschweigen, die Menschen gegeneinander aufhetzen und sich von anderen Ländern abschotten. Dystopien sind und bleiben aktuell.

Okay, meine Lieblingsdystopie … ich denke die Eleria-Trilogie von Ursula Poznanski. Aber ich mag viele gerne, natürlich Panem von Suzanne Collins, Gelöscht von Teri Terry, Die Bestimmung von Veronica Roth und auf jeden Fall eine meiner neuen Lieblingsreihen von Marissa Meyer, die Lunar Chronicles mit Cinder, Scarlet, Cress und Winter.

Was gefällt euch an Dystopien?








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Quellen:

Claeys, Gregory. 2011. Ideale Welten. Die Geschichte der Utopie. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.
Chilese, Viviana; Preusser, Heinz-Peter (Hrsg.). 2013. Technik in Dystopien. Jahrbuch Literatur und Politik Band 7.  Heidelberg: Universitätsverlag Winter GmbH. 
Greschonig, Steffen (Hrsg.). 2005. Utopie – Literarische Matrix der Lüge? Eine Diskursanalyse fiktionalen und nicht-fiktionalen Möglich- und Machbarkeitsdenkens. Regensburger Beiträge. Zur deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft. Frankfurt a.M.: Perter Lang GmbH. Print.
Lübbe, Hermann. 1987. Rückblick auf das Orwell-Jahr: Die Schreckensutopien. In: Braun, Hans Jürg (Hrsg.). 1987. Utopien – Die Möglichkeit des Unmöglichen. Zürich: Verlag der Fachvereine an den Schweizerischen Hochschulen und Techniken.
Meyer, Stephan. 2001. Die anti-utopische Tradition. Eine ideen- und problemgeschichtliche Darstellung. Frankfurt a.M.: Peter Lang GmbH.
Seeber, Hans Ulrich. 2003. Die Selbstkritik der Utopie in der angloamerikanischen Literatur. In: Saage, Richard; Reese-Schäfer, Walter; Seng, Eva-Maria [Hrsg.]. 2003. Politica et ars. Interdisziplinäre Studien zur politischen Ideen- und Kulturgeschichte. Münster: Lit Verlag.
Zeißler, Elena. 2008. Dunkle Welten. Die Dystopie auf dem Weg ins 21. Jahrhundert. Marburg: Tectum Verlag.

Samstag, 12. August 2017

Jennifer Niven: All the bright places






Wie mich Finchs Worte berührten

Handlung

Finch steht oben auf dem Rand des Glockenturms an seiner Schule als er merkt, dass er nicht allein ist. Violet ist ebenfalls dort. So richtig springen wollen beide nicht. Aber beide glauben, Grund dazu zu haben. Finch hat Aufs und Abs, er kann sich nicht richtig mit dem Alltag arrangieren und sticht mit seinem Verhalten hervor. Violet hat einen Autounfall überlebt, der ihre Schwester das Leben gekostet hat. Die beiden kennen sich eigentlich nicht. Noch nicht.


Meinung

Dieses Buch ist wundervoll, die Geschichte der beiden Jugendlichen hat mich tief berührt. Besonders Finchs Worte und Taten haben mich zum Nachdenken gebracht.

Die Handlung besteht aus den kleinen Alltags-Abenteuern, die Finch und Violet für ein Schulprojekt erledigen. Sie besuchen besondere Orte in Indiana. Finch ist sofort fasziniert von Violet. Diese öffnet sich ihrem merkwürdigen Mitschüler nur langsam. Doch er lässt nicht locker und zeigt der mürrischen Jugendlichen, wie schön ihre Umgebung ist.

Finch: But then I realized, believe it or not, it’s actually beautiful to some people. It must be, because enough people live here, and they can’t all think it’s ugly.


Die Geschehnisse sind sanft, filigran und aufregend. Es geht um die Welt in den Köpfen der beiden und wie sie sich gegenseitig beeinflussen. Finch peppt Violets Alltag mit den kleinen Abenteuern und seinen Ideen und Erzählungen auf, während Violet ihm zeigt, dass es auch in der Wirklichkeit lebenswerte Dinge gibt. Im Verlauf des Buches schraubt sich der Spannungsbogen nur langsam in die Höhe, was neben den kleinen Abenteuern aber überhaupt nicht schlimm ist. Die Geschichte ist weniger action-driven, sondern sie wird getrieben von den inneren Monologen und den Dialogen der beiden Hauptcharaktere.

Die Geschichte ist abwechselnd aus der Ich-Perspektive der beiden geschrieben. Dadurch bekommen wir Einblicke in die Gedanken und Gefühle der Figuren und es ist spannend, sie jeweils auch durch die Augen des anderen zu sehen.

Finch: She is oxygen, carbon, hydrogen, nitrogen, calcium, and phosphorus. The same elements that are inside the rest of us, but I can’t help thinking she’s more than that and she’s got other elements going on that no one’s ever heard of, ones that make her stand apart from everybody else.

Violet: This is the single loveliest thing anyone’s ever done form e. It’s movie lovely. It feels somehow epic and fragile

Sich selbst gegenüber sind sie sehr kritisch. Ihre Selbstwahrnehmung macht einen Großteil des Buches aus und zeigt, wie sie beide Schwierigkeiten im Alltag haben.

Violet: I love the world that is my room. It’s nicer in here than out there, because in here I’m whatever I want to be.

Finch: I know life well enough to know you can’t count on things staying around or standing still, no matter how much you want them to.

Finch: One year later, I grew out of my clothes because, it turns out, growing fourteen inches in a summer is easy. It’s growing out of a label that’s hard. Which is why it pays to pretend you‘re just like everyone else, even if you’ve always known you’re different.

Beide Figuren empfinden sich selbst als unzumutbar und anders, der Welt nicht gewachsen. Gemeinsam lernen sie, wie sie das Leben wieder meistern. Aber während Violet wieder in den Alltag zurückfindet und anfängt, ihre Träume wieder zu verfolgen, findet Finch sich bald in immer düsteren Gedanken wieder.

Das Thema des Buches sind die Probleme, mit denen die beiden zu kämpfen haben. Violets kamen von außen, als ihre Schwester bei dem Unfall starb. Finchs kommen von ihm selbst und er kann sie nicht richtig einordnen. Mich hat fasziniert, wie ehrlich der Einblick in die Gedanken und Gefühle der beiden ist, den der Leser bekommt. Jennifer Niven hat zwei authentische Charaktere aufgebaut, denen man abnimmt, wie sie sich fühlen, und die auch ihre negativen Gefühle nicht verschweigen.

Insgesamt hat mich das Buch also sehr gut abgeholt und ich kann es jedem weiterempfehlen, der ein solches Genre gerne liest. Es ist rasant und sanft, aufwühlend und beruhigend, es lässt einen mit dem Gefühl zurück, jetzt schlauer und tiefgründiger zu sein und den darauf folgenden Bookhangover schon zu überstehen.

Samstag, 29. Juli 2017

Spoiler: Lori Nelson Spielman: Morgen kommt ein neuer Himmel

zum Haupt-Post ohne Spoiler

Die Auflösung der Geschichte hat mir weniger gefallen. Allein die Tatsache, dass Brett beim Telefonieren mit dem Therapeuten Garrett mehrmals denkt, dass er sehr alt sein muss, lässt darauf schließen, dass er es nicht ist. Er ist im Gegenteil der Burberry-Mann – was auch sonst? Leider habe ich in ihm dann auch nicht mehr gesehen als in Herbert. In der kurzen Zeit, in der Garrett am Ende „richtig“ auftaucht, versteht der Leser nicht, was an ihm so toll ist.

Brett braucht ein Baby. Allein diese Aufgabe finde ich erstens schwierig zu erfüllen und zweitens auch etwas fragwürdig. Ein Kind des Erbes wegen bekommen? Dieser Teil der Geschichte ist interessant gelöst. Die besondere Beziehung zwischen Brett und Sanquita finde ich gut, ich hätte sie mir noch ausführlicher gewünscht. In dem Moment, in dem der Leser und Brett von der Krankheit der jungen Frau erfahren, ist klar, was passieren wird. Und durch die (relativ) kurze Episode mit Sanquita kam es mir so vor, als sei sie nur in dem Buch gewesen, um zu sterben. Damit Brett ihr Baby bekommt. Das hat ihren Tod für mich persönlich irgendwie tragischer gemacht.

Wie hat euch das Buch gefallen?

Lori Nelson Spielman: Morgen kommt ein neuer Himmel

Wie ich dem Genre eine weitere Chance gab





Handlung

Brett ist todunglücklich. Ihre Mutter ist an Krebs gestorben und enthält ihr zu allem Überfluss ihr Erbe vor. Wenn Brett das Geld haben möchte, muss sie innerhalb eines Jahres eine Liste mit Lebenswünschen abarbeiten, die sie mit 14 Jahren geschrieben hat. Und diese Wünsche haben es in sich.

Meinung

In Buchhandlungen lese ich die Klappentexte von diesen Frauen- und Liebesromanen und denke mir meistens: Das riecht gewaltig nach Klischee. Man bekommt das Gefühl, dann schon zu wissen, wie das Ganze ausgeht. Bei diesem Buch hatte ich endlich das Gefühl, es ginge dieses Mal vielleicht um etwas mehr als eine Männerjagd auf High Heels. Wie ihr meinem Ton entnehmen könnt: Die meiste Zeit war das nach meinem Empfinden nicht so.

Die Handlung ist angenehm, ich habe das Buch sehr schnell durchgelesen und mich in dem Sinne nicht gelangweilt. Der Leser fiebert mit Brett mit und hofft auf die Erfüllung ihrer Lebensziele. Er geht mit ihr in einen Comedy-Club auf die Bühne und überlegt, wie um alles in der Welt man in einem Jahr sowohl ein Pferd als auch ein Baby anschaffen soll. Ganz zu schweigen von dem Haus oder – dem richtigen Mann. Das ist der Knackpunkt der ganzen Geschichte. Mag alles andere noch so unerreichbar und auch utopisch wirken, was die Hauptfigur umtreibt ist die Männersuche. Und die Exemplare purzeln ihr nur so in den Schoß.

Brett ist ganz normal. Sie wirkt auf den Leser sympathisch, ich hatte Mitleid mit ihr. Die Figur geht ein wenig stolpernd durchs Leben und muss erst den Glauben an sich selbst finden. Die neuen Männer in ihrem Leben pushen ihr Selbstbewusstsein. Ansonsten hat sie keine Ecken und Kanten. Die Nebenfiguren spielen ihre Rollen. Tatsächlich war ich dann doch die ganze Geschichte über unsicher, ob und welcher Mann ihr bei der Erfüllung dieses Lebensziels behilflich ist. Das wollte ich dann nun doch gerne wissen :-D

Das Thema ist, wie man diesem Text anmerkt, nicht so meines. Es fällt mir schwer, mich auf Männerjagd zwischen zwei Buchdeckeln einzulassen. Es gibt auch noch weitere Themen in diesem Buch, Familie, Freundschaft, die Erfüllung seiner Träume, Nächstenliebe. Sie spielen zuweilen auch etwas größere Rollen, treten aber in meinem Rückblick auf das Buch eher zurück.

Insgesamt habe ich das Buch schnell durchgelesen, weil ich wissen wollte, wie es endet. Es lässt sich sehr gut runterlesen, doch es fehlt an tiefen Gefühlen und Gedanken, die mit sich selbst zu tun haben und nicht mit der Erfüllung in einer Partnerschaft.
Wer gerne Bücher rund um Männer und Frauen liest und Brett auf ihrem Weg begleiten möchte, den Richtigen zu finden, ist mit diesem Buch gut beraten. Für mich ist es leider weniger geeignet.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!

Freitag, 21. Juli 2017

Bloggeburtstag! Zwei Jahre Jessys Momente

Juli-Special

Zwei Jahre sind eine – sagen wir – mittellange Zeit. Es gab Zeiten, in denen ich sehr intensiv gebloggt habe. Es gab Zeiten, in denen es etwas weniger gut lief, weil ich auch weniger gelesen habe. Ich habe es aber immer noch nicht satt, noch lange nicht, euch meine Gedanken zu Büchern aufzuschreiben :-)

Ich arbeite immer noch in der Buchbranche und darüber bin ich sehr froh. Aber neben einem Vollzeitjob bleibt weniger Zeit für die Hobbys und ich muss mich oft zusammenreißen, nach einem Arbeitstag nicht einfach nur vor dem Fernseher zu lümmeln.

Aber heute ist Geburtstag und an solchen Tagen gibt es Geschenke! Ich habe etwas für euch: Caraval von Stephanie Garber (auf Deutsch oder Englisch), supersüße Eulen-Lesezeichen und leckere Teesorten :-)



Kommentiert einfach hier unter diesem Beitrag, warum ihr Caraval gerne hättet :-)
Für weitere Chancen könnt ihr auch auf Instagram, Google+ und Facebook den Beitrag zum Bloggeburtstag kommentieren. Hier geht es zu den Teilnahmebedingungen.

Jetzt aber noch sentimentale Geburtstagsworte.
Ich freue mich immer über jeden einzelnen Klick und Kommentar, hier und auf den Social-Media-Kanälen. Ihr könnt hier mittlerweile 51 Rezensionen lesen, 18 Mal drei Lesetipps bekommen und 20 Specials zu verschiedenen Buchthemen anschauen. Bei jedem Post hoffe ich, dass er euch gefällt und dass ihn jemand bis zum Ende liest :-D Ich werde sobald nicht mit dem Bloggen aufhören, weil mir das Schreiben und das Ausdenken wirklich viel Spaß machen und ich mich immer freue, wenn jemand sich Informationen, Anregungen und nette Gespräche bei mir holt :-)

Auf die nächsten zwei Jahre!
Liebe Grüße
Eure Jessy

Samstag, 15. Juli 2017

Drei Lesetipps im Juli

Die Sommerlesetipps kommen diesen Monat von Chrissy (IG: library_of_imaginations). Vielleicht ist ja etwas für euch dabei und ihr könnt im Urlaub, in den Ferien oder am entspannten Wochenende die Seele baumeln lassen :-)

Chris Colfer: Stranger than Fanfiction

Als vier Fans ihren Show-Star Cash Carter spaßeshalber auf einen Roadtrip einladen, konnten sie nicht ahnen, dass er zusagt. Was sie auf der rasanten Reise erleben und über den realen Menschen hinter ihrem Idol herausfinden, füllt ein aufregendes Buch. Eine Geschichte über Realität, Freundschaft und die Macht des Fernsehens.




Lauren Owen: The Quick

Mal wieder etwas Übernatürliches? In diesem Buch reist der Leser nach England in eine frühere Zeit, in der Mysterien noch wie Nebel über alten Häusern hingen. Es geht um zwei Geschwister, die allein aufwachsen und in diese mysteriöse Welt eintauchen. Abenteuer in einem gruselig anmutenden London.




Mitch Albom: Tuedays with Morrie

Die Geschichte von Mitch und Morrie beruht auf dem echten Leben des Autors. Er erfährt, dass sein ehemaliger Soziologieprofessor an der tödlichen Krankheit ALS erkrankt ist. Er besucht ihn und aus dem ersten Treffen wird ein weiteres und ein weiteres. Jeden Dienstag treffen sich die beiden Männer und sprechen darüber, was das Leben bereithält und was es den Menschen beibringen kann.



Ich wünsche euch einen schönen neuen Lesemonat mit tollen Büchern. Habt ihr schon einen Juli-Favoriten?

Sonntag, 9. Juli 2017

Robin Roe: Der Koffer

Königskinder Verlag. Hamburg. 2017
Original: A List of Cages (Hyperion. New York. 2017)






Wie ich meinen Lese-Flow wiedergefunden habe

Handlung

Julian und Adam gehen zur selben Schule. Julian ist ein in sich gekehrter 14-Jähriger, der bei seinem aggressiven Onkel wohnt. Adam ist in der zwölften Klasse und bei seinen Mitschülern sehr beliebt. Doch beide haben mit ihrem Alltag zu kämpfen. Julian muss aus sich heraus kommen und sich gegen die Ungerechtigkeiten in seinem Leben durchsetzen. Adam hat mit ADHS zu kämpfen und mit seinen Gefühlen für die Klassenkameradin Emerald.

Meinung

Das Buch lässt sich in einem runterlesen. Das liegt an der angenehmen Sprache und an der spannenden Handlung. Der Plot als Gesamtes weist einen kontinuierlich steigenden Spannungsbogen auf, trotzdem hätten einige Szenen detaillierter ausgeführt werden können und es hätte gerne noch ein oder zwei Konflikte mehr geben können.

Die Handlung findet an einer amerikanischen Highschool statt. Julian und Adam treffen sich in der Schule und der Leser lernt direkt, dass die beiden sich kennen. Erst nach und nach werden alle Geschehnisse aus der Vergangenheit aufgedeckt, besonders Julians Vergangenheit bleibt in allen Einzelheiten lange unklar.
Insgesamt geht es eher um Julians Leben und die schlechten Erfahrungen, die er macht. Als Leser wollte ich wissen, was ihm widerfahren ist, was er aus den geschilderten Situationen macht und ich fieberte mit ihm mit, wollte ihm helfen und alles mit ihm durchstehen.
Wie gesagt werden die wirklich tiefgreifenden, spannenden Situationen, auf die lange hingearbeitet wird, an manchen Stellen wenig ausgearbeitet. Ich habe mir noch mehr Gedanken und Gefühle gewünscht, durch die ich tiefer in die beiden Jungen hätte blicken könnten.

Doch auch so bekommt man von den beiden einen guten Eindruck.
Die Figuren erzählen abwechselnd aus der Ich-Perspektive von ihren Erlebnissen und davon, wie sie den anderen sehen und mit ihm interagieren. Es ist interessant, wie das Verhalten aus der jeweiligen Ich-Erzählung logisch nachvollzogen werden kann, während sich die jeweils andere Figur fragt, warum der andere tut, was er eben tut.
Der Leser erlebt mit dem introvertierten Julian, wie anstrengend und beängstigend eine Party sein kann, während der ruhelose Adam keine Probleme hat, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Beiden fehlt es aber völlig an den Charakterzügen des anderen. Manchmal kam mir Julian auf seine Ängste und seine Passivität reduziert vor.

Die Freundschaft zwischen den beiden aber ist eine spannende Geschichte mit Höhe- und Tiefpunkten, die sich extrem schnell und flüssig lesen lässt. Die Sprache ist verständlich und die Spannung baut sich hoch auf. Es gibt vieles über die beiden und ihre eigenen Geschichten zu entdecken und der Plot wird rasant bis hin zu gefährlich.

Der Koffer ist ein gutes Buch für entspannte Leseabende zwischendurch über zwei Jugendliche, die ihrem eigenen Leben entfliehen.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!

Spoiler: Robin Roe: Der Koffer

zum Haupt-Post ohne Spoiler

Habt ihr das Buch gelesen?

Wie im Haupt-Post geschrieben, hätte ich mir manche Szenen detailreicher vorstellen können. Adams Zeit mit Emerals zum Beispiel, die Momente unmittelbar nachdem Julian von seinem Onkel misshandelt wurde oder die Stunden nach dessen Tod.
Auch Julians Zeit im Koffer hätte noch dramatischer beschrieben werden können.

Womit ich nicht sagen will, dass das Buch undramatisch ist, im Gegenteil. Was Russel seinem Neffen antut ist furchtbar und die Folgen sind schwer. Dass Julian dabei immer noch zum Teil empfindet, dass sein Onkel Recht haben könnte, ist traurig. Zwischendurch hatte ich fast Beklemmungen, weiterzulesen, weil man wusste, wozu Russel fähig ist.

Adams Sorge um Julian im Krankenhaus ist extrem. Es wird aber nur am Rande erwähnt, was das aus seinem sozialen Leben macht. Der Leser bekommt mit, dass Emerald sich von ihm abwendet, doch das dringt nicht die Gedanken vor, die der Leser von ihm mitbekommt. Zunächst dachte ich, jetzt erlebt Adam einen Wandel zurück zu einem unruhigen, aufsässigen und introvertierten Teenager. Doch so groß ist es dann nicht.

Aus diesem Grund ist der Abfall nach dem Höhepunkt sehr lang. Adam befreit Julian aus dem Koffer und bringt ihn ins Krankenhaus. Es geht ihm wieder besser und das könnte das Happy End sein. Doch die Geschichte zieht sich noch etwas weiter. Außer Russels Tod, der irgendwie unspektakulär ist, passiert jedoch nichts Nennenswertes.

Was hat euch gut und nicht so gut gefallen?


Montag, 3. Juli 2017

Zitat zum Wochenstart

Robin Roe: Der Koffer. Königskinder Verlag. Hamburg. 2017. Seite 12.

Mögen eure Tarnumhänge richtig funktionieren, wenn ihr denn einen braucht.
Eine schöne neue Woche euch!

Sonntag, 2. Juli 2017

Quartal Zwei – Rück- und Ausblick

Der Juli ist da und bringt wechselhaftes Wetter. 2017 ist zur Hälfte vorbei und ich fühle mich fast ein bisschen schuldig, mir im Juni-Special Regen gewünscht zu haben. Aber der Reihe nach.

April, Mai, Juni: Drei Monate voller privater Irrungen, Wirrungen und mit weniger gelesenen Seiten. Dass das aber auch immer so abhängig von der eigenen Konzentration ist!
Das erste Buch des Quartals war der dritte Teil von Ursula Poznanskis Beatrice-Kaspary-Reihe: Stimmen. Vier Seifenblasen habe ich dafür verteilt :-) Der vierte und neueste Fall war auch unter meinen Lektüren: Schatten erntete dreieinhalb Seifenblasen.
Endlich habe ich auch Die Welle von Morton Rhue gelesen. Ebenfalls vier von fünf Seifenblasen für dieses Buch, das wirklich jeder gelesen haben sollte!

Speziell wurde es in den monatlichen Specials. Im April habe ich euch meine liebsten Cover vorgestellt und erklärt, warum ich sie mag und warum manchen Buchumschläge nicht so mein Fall sind. Kauft ihr nach Covern? Welches hat euch posititiv oder negativ überrascht? Zum April-Special Cover Love.
Im Mai, zum Vatertag, habe ich festgestellt, dass mein Papa einen großen Einfluss auf meine Buchauswahl gehabt hat und immer noch hat. Warum ich lese, was ich lese.
Und als drittes: Mein Wunsch nach Regen. Kennt ihr das? Die Sonne scheint, die Freunde wollen was unternehmen, man hat das Gefühl, man sollte mal nach draußen. Da lobe ich mir doch manchmal das schlechte Wetter, wenn ich mir einen Tee machen und mich in meine Profi-Kuscheldecke wickeln kann und dann in einem Buch verschwinde! Das Buchnerd-Problem Wetter.

Natürlich gab es auch Lesetipps von meinen Freunden für euch! Hier geht es zu allen Buch-Anregungen :-)

Im April ist außerdem Terry Pratchetts Geburtstag, da kann ich nicht einfach dran vorbeigehen.

Dieses Quartal war es soweit: Ich habe gestern offiziell mein Current Read abgebrochen, weil es mich zu sehr gelangweilt hat. Leider passiert im zweiten Teil der Cassia-und-Ky-Reihe Die Flucht kaum etwas. Damit geht es mir eigentlich nicht so gut, aber hier erkläre ich meine Gründe.

Meine Kollegin hat mir ein Buch ausgeliehen: Der Koffer von Robin Roe. Und das ist jetzt stattdessen dran. Da ich ständig verspreche, wieder mehr zu lesen, und ich mir selbst dazwischen komme, höre ich mit dem Eintrag an dieser Stelle auf und lese weiter in diesem Buch.

Ich hoffe, ihr hattet schöne drei Monate und tolle Bücher, die ihr gelesen habt! Auf drei neue Monate voller spannender Seiten!


Donnerstag, 29. Juni 2017

Leseflaute, die Erste

Was ist los?

Mein aktuelles Buch fesselt mich leider so gar nicht. Es ist für mich zurzeit eine verschlossene Lektüre und ich habe den passenden Schlüssel nicht. Die Flucht fesselt mich so gar nicht. Nach einer halben Seite schweifen meine Gedanken ab und ich starre nur noch auf die Buchstaben. Ich erinnere mich auch kaum, was bisher passiert ist.




Ist das schon einmal passiert?


Bestimmt. Allerdings nicht in letzter Zeit, dass ich mich gut daran erinnern könnte. Ich habe auch schon ungefähr ... sagen wir fünf Bücher in meinem Leben abgebrochen. (Ich glaube, das ist wenig?) Ich möchte diese Geschichte eigentlich nicht abbrechen, denn der erste Teil hat mir so gut gefallen, und was ich so höre, ist der dritte Teil auch gut.

Woran kann das liegen?

Meine Gedanken sind im Moment eher mit anderen Dingen beschäftigt. Außerdem bin ich nach der Arbeit zurzeit sehr müde und wenn ich doch noch Energie habe, dann stecke ich sie in Instagram-Fotos, Blogposts und selbstgeschriebene Texte. Dass der zweite Teil dieser Trilogie mich langweilt, kommt dazu. Davon abgesehen wohne ich in einer lebhaften WG und möchte immer bei allem dabei sein.

Was also tun?

Wie gesagt, möchte ich das Buch ungern ganz abbrechen. Trotzdem muss ich da jetzt irgendwie schneller mit voran kommen. Deswegen scheint dies eine gute Gelegenheit, das Querlesen zu üben und einfach alle Passagen zu überspringen, die nicht interessant erscheinen. In kleineren Fällen von Leseflaute lese ich manchmal einfach nur die wörtliche Rede. Das ist hier leider nicht möglich.
Es gibt viele Tipps, eine Leseflaute zu meistern: Gar nicht lesen, Serien schauen, das Lieblingsbuch noch einmal lesen, ein komplett anderes Genre ausprobieren. Aber ich will durch dieses Buch :-D

Was bedeutet das?

Ob und wie ich Die Flucht dann rezensiere, weiß ich noch nicht. Stattdessen werde ich mir die Tage ein Buch aus meinem Regal suchen, das ich schon gelesen habe, bevor es diesen Blog gab, und euch dazu etwas schreiben. Wie es mit dem dritten Teil für mich aussieht, entscheide ich dann nach der Einholung von anderen Meinungen dazu.

Wie geht ihr mit Leseflauten um? Brecht ihr viele Bücher ab? Und liegt das nur am Buch selbst oder auch an äußeren Umständen?


Montag, 26. Juni 2017

Zitat zum Wochenstart

Veronica Roth: Divergent. HarperCollins Publishers. 2011. Seite 379.
So just be yourself.
Eine wunderschöne neue Woche euch!

Dienstag, 20. Juni 2017

Immer, wenn es regnet – Buchnerd-Problem „Wetter“

Juni-Special

Es gibt Tage, und es gibt sie häufig, da hoffe ich auf schlechtes Wetter. Warum ist das so?

Ich bin ein Buchnerd und dementsprechend lese ich gerne. Leider ist das oft ein sehr einsames Hobby. Zwar können zwei Menschen nebeneinander sitzen und lesen oder sich gegenseitig etwas vorlesen, aber das ist nicht mein Fall. Man kann über Bücher reden und diskutieren, aber dafür muss man das jeweilige Buch natürlich gelesen haben.

Schlechtes Wetter eignet sich ganz wunderbar zum Lesen. Diese Regentage, an denen die Tropfen an die Fensterscheibe klopfen, man im Bett oder auf dem Sofa liegt, mit Buch und Tee und einer Profi-Kuscheldecke. Das sind doch die schönsten Tage! Das kontinuierliche Prasseln und die behagliche Stimmung begleiten einen in ferne Welten, in Abenteuer rund um den Globus und die Heimat unserer Herzen.

Scheint die Sonne, hat man dieses furchtbare Gefühl, nach draußen gehen zu MÜSSEN. Gut, ich übertreibe, draußen ist es schön, andere Menschen können durchaus nett sein und Vitamin D sollte man nicht unterschätzen. Man kann natürlich auch draußen lesen, auf dem Balkon, im Garten, im Park an einen Baum gelehnt. Das ist allerdings lange nicht so gemütlich wie das Bett.

Immer, wenn es regnet, dann darf man etwas grummelig sein und sich in seinen Privatbereich zurückziehen. Dann akzeptieren auch die anderen Leute, die Muggel, dass man lieber alleine zu Hause sitzt und seine Nase in ein Buch vergräbt.

Manchmal freue auch ich mich über gutes Wetter. Meistens freue ich mich, wenn meine Freunde etwas mit mir unternehmen wollen. An manchen Tagen tue ich so, als sei ich kein Buchnerd. Aber mein Herz schlägt höher, wenn ich Bücher sehe, es schlägt wilder, wenn ich Zeit zum Lesen habe. Mein Herz klopft wie die Tropfen am Fenster, immer, wenn es regnet.




Montag, 19. Juni 2017

Zitat zum Wochenstart

Ally Condie: Die Flucht. FISCHER Taschenbuch: Frankfurt am Main. 2014. Seite 106.

... aber ich finde, man kann das ruhig trotzdem machen, wenn es hilft ;-)
Ich wünsche euch eine schöne neue Woche, möglichst ohne Tränen!

Donnerstag, 15. Juni 2017

Drei Lesetipps im Juni

Sommer! Mit durchwachsenem Wetter zwar, aber immer öfter schickt die Sonne ihre heißen Strahlen in unsere Breitengrade. Doch wenn es zu warm ist oder gar ein Gewitter alles durchnässt, dann liegt man auf der faulen Haut und schnappt sich am besten ein Buch. Hier sind drei Empfehlungen von einer Freundin, mit denen ihr durch jedes Sommerwetter kommt:

Paul Auster: Sunset Park

Miles Heller flieht vor seiner Vergangenheit. Er hat alle Kontakte zu seinem früheren Leben abgebrochen und reist jahrelang durch die USA. Auf seiner Suche nach einem Ort ohne Gewissensbisse kommt er durch mehrere Staaten und an mehreren Menschen vorbei. Aber die Vergangenheit holt jeden wieder ein und als ein alter Freund ihn fragt, nach New York zurückzukommen, willigt Miles ein.



Nils Mohl: Es war einmal Indianerland

Der Protagonist ist 17 und der Sommer in Hamburg ist heiß. Der Ich-Erzähler dieser Coming-of-Age-Geschichte durchstreift allein die trostlose Betonwelt eines Vorortes. Bis er im Schwimmbad Jackie trifft. Sie verdreht ihm völlig den Kopf, trotzdem entgehen ihm nicht die anonymen Briefe, die er bekommt, oder der Indianer mit der Federkrone. Was ihm entgangen ist, waren die Geheimnisse seines Vaters. Aber als er ihn besucht und dessen neue Frau erwürgt vorfindet, steht sein Leben mehr auf dem Kopf als zuvor.







Anja Jonuleit: Herbstvergessene

Maja hat seit einem Jahrzehnt nicht mehr mit ihrer Mutter gesprochen – und nun ist diese tot. Doch an den angeblichen Selbstmord glaubt Maja nicht und begibt sich auf eine Suche nach der Vergangenheit ihrer Familie. Dabei stößt sie auf Geheimnisse, die auch ihr eigenes Leben erschüttern.


Vielleicht ist ja etwas für euch dabei und ihr habt ein paar weitere spannende Stunden bei Sonnenschein oder Gewitter. Noch einen schönen Feiertag euch und dann ein tolles Wochenende!

Sonntag, 4. Juni 2017

Spoiler: Ursula Poznanski: Schatten

zum Haupt-Post ohne Spoiler

Ich lag mit meiner Vermutung, wer der Mörder ist, in erster Linie daneben. Bis der Ex-Mann Achim niedergeschlagen wurde, war ich sicher, er sei der Gesuchte. Mein zweiter Favorit aber bestätigte sich tatsächlich. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, ab wann Vasinski für mich als Täter infrage kam. Spätestens ab den Fragen, die er Beatrice über das Notebook stellt. Es ist gut gemacht, dass man als Leser Beas Vermutung und den Namen auf der Tageszeitung zunächst nicht genannt bekommt. Das hat mich die letzten paar Seiten sehr schnell und spät in der Nacht durchlesen lassen.

Wie es Achim geht, würde ich gerne wissen. Irgendwie stört es mich, dass Bea in der Kinderbetreuungssache jetzt durch so einen Zufall Glück hat.

Der Einblick in Florin war auch sehr interessant, besonders was seine Vorliebe für Alkohol betrifft. Außerdem seine Überforderung mit der Situation, die das makellose Bild von ihm aus den letzten Thrillern gesprengt und dafür detailreicher gemacht hat. Ich bin gespannt, aus welcher Sicht eine mögliche weitere Geschichte geschrieben wird.

Ursula Poznanski: Schatten

Teil vier der Beatrice-Kaspary-Reihe, enthält Spoiler zu den ersten Teilen

Zum ersten Teil: Fünf
Zum zweiten Teil: Blinde Vögel
Zum dritten Teil: Stimmen





Wie ich die Figuren noch besser kennen lernte

Handlung

Der vierte Fall für Beatrice Kaspary und ihren Kollegen Florin Wenninger bringt die Vergangenheit zu ihnen. Dass Beatrice überhaupt Polizistin geworden ist, verdankt sie einem schrecklichen Erlebnis aus ihrer Studienzeit. Und der Serienmörder, der diesmal in Salzburg seine Umwege treibt, weiß das ganz genau. Zwischen den Opfern besteht keinerlei Verbindung. Außer der Tatsache, dass Beatrice sie alle kannte – und nicht leiden konnte. Welches Spiel spielt der Mörder?

Meinung

Der neue Thriller aus Poznanskis Feder beschäftigt sich noch intensiver mit der Hauptfigur als die davor. Beatrice wird von ihrer Vergangenheit eingeholt, der Fall kreist um negative Erinnerungen aus ihrem eigenen Leben. Der Leser bekommt einen tieferen Einblick in Beatrice und auch in Florin, aus dessen Sicht das Buch diesmal teilweise spielt. Ein wie immer guter Thriller von einer meiner Lieblingsautorinnen.

Die Handlung ähnelt vom Spannungsbogen her den Vorgängern: Der Fokus liegt auf den Ermittlungen und den Gedanken, die sich die Polizisten machen. In diesem Fall werden diese Ermittlungen sehr intensiv und Bea und Florin finden sich mitten drin wieder. Die Geschwindigkeit vom dritten Teil erreicht dieser meiner Meinung nach jedoch nicht ganz. Es ist spannend, aber nicht so sehr wie die letzten einhundert Seiten von Stimmen. Trotzdem hat mich auch diese Geschichte in Bann gehalten. Auch Beatrice‘ Privatleben spielt wieder eine große Rolle, ihr Ex-Mann Achim macht ihr den Alltag mit den gemeinsamen Kindern schwer.

Die Figuren lernt der Leser nun in Extremsituationen kennen. Beatrice ist ganz die alte, sie ist emotional und ein Bauchmensch, im Angesicht der Gefahr berechnend und mutig. Der Einblick, den wir zum ersten Mal in Florin bekommen, vervollständigt seinen Charakter. Bisher war er der charismatische Alleskönner, der jede Lage im Griff hat. Nun sehen wir in ihn hinein und lernen seine Schwächen kennen, seine Ängste und seine Gefühle. Beide Ermittler rücken zusammen als plastische Figuren in den Mittelpunkt der Geschichte. Dadurch tritt der Fall etwas in den Hintergrund.

Wer die ersten drei Bände gelesen hat, sollte sich den vierten Teil keinesfalls entgehen lassen. Zwar steigt die Spannung nicht so sehr wie zuvor, aber allein die tieferen Einblicke in die Figuren und ihre Verwicklung in die Geschehnisse belohnen das Umblättern. Und Spannung kommt trotzdem auf, wie immer war ich schnell durch und habe mit Bea und Florin mitgefiebert.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!